Geburtstagsfeier „15 Jahre Ausbildung statt Abschiebung“

Passend am 15. September feierte AsA sein 15-jähriges Bestehen. Rund 150 Gäste waren im stimmungsvollen Historischen Gemeindesaal der Bad Godesberger Erlöserkirche zusammengekommen. Darunter auch Personen der ersten Stunde: Gründungsmitglied Gisela Rubbert erzählte von den Anfängen des Vereins, als Beratung und Förderunterricht noch in ihrem Wohnzimmer stattfanden.

In ihrem Wohnzimmer begann die Arbeit von AsA: Gisela Rubbert

 

Gekommen war auch Suzan Karayel. Sie war die erste geflüchtete Jugendliche, die vor 15 Jahren dringend Hilfe suchte und damit der eigentliche „Anlass“, warum der Verein „Ausbildung statt Abschiebung“ ins Leben gerufen wurde.

Suzan Karayel (Mitte) mit weiteren Jugendlichen der „ersten Stunde“, re. die langjährige Geschäftsstellenleiterin Carmen Martinez-Valdes

Der Name des Vereins wurde anfangs belächelt – „Damit finden Sie nie Unterstützung durch Politik und Bevölkerung“, so die Annahme. Aber die Mitarbeiter*innen von AsA waren hartnäckig und unbequem und schufen so die Basis für den Verein in seiner heutigen Form, der derzeit rund 170 Jugendliche betreut und im vergangenen Jahr 2016 über 2.200 Beratungsgespräche geleistet hat, viele davon für externe geflüchtete Jugendliche, Wohngruppen und Ehrenamtliche . In diesem Jahr wurden bereits 28 Jugendliche in eine Ausbildung vermittelt, 81 Jugendliche aus 13 Ländern besuchten in 2017 Deutschkurse bei AsA. Weitere 80 Jugendliche erhalten Förderunterricht von 55 Ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen.

Karin Ahrens, langjährige Vereinsvorsitzende von AsA
Karin Ahrens (li.) und Carmen Martinez-Valdes

Elf Jahre lang leitete Karin Ahrens als Vereinsvorsitzende die Geschicke des Vereins. Zusammen mit der langjährigen Geschäftsstellenleiterin Carmen Martinez-Valdes war sie maßgeblich für das Wachsen und Gedeihen des Vereins verantwortlich. Das Team der Geschäftsstelle wuchs auf inzwischen fünfeinhalb Stellen an. Dazu kommen ein Bufdi und 55 Ehrenamtliche. Auch der Vorstand arbeitet ehrenamtlich.

Zur Feier gekommen waren viele Unterstützer aus der Lokalpolitik und den Wohlfahrtsverbänden sowie Mitarbeiter*innen von Stiftungen und Organisationen und andere Geldgeber, ohne die die Arbeit von AsA nicht möglich wäre und bei denen sich AsA herzlich bedanken möchte.

 

Felix Dresewski von der Kurt und Maria Dohle Stiftung zusammen mit Sara Ben Mansour, Bewerbungszentrum AsA
Bürgermeisterin Angelica Maria Kappel

Bedanken wollten sich auch viele der von AsA in 15 Jahren Vereinsgeschichte betreuten Jugendlichen. Einige von ihnen erzählten auf dem Podium ihre Lebensgeschichte, die ohne AsA vermutlich kein so glückliches Ende gefunden hätte. Und es gab Musik: Baryton aus Ghana spielte selbstkomponierte Lieder auf der Gitarre, die AsA-Band spielte und sang ebenfalls. Und wünschte AsA noch mindestens 15 weitere Jahre

Baryton – in Ghana ist er bereits ein Star
Der stellvertretende Vereinsvorsitzende Christian Knops (re.) eröffnete die Feier
Für die Ehrenamtlichen sprach Inga Zacher, die seit Jahren Förderunterricht bei AsA gibt

 

Zeugnisse bei „Deutsch plus!“

Junge Geflüchtete absolvieren erfolgreich „Deutsch plus“

Mit „Deutsch plus“ führt der Verein „Ausbildung statt Abschiebung e.V.“ seit letztem Jahr ein sehr erfolgreiches Projekt durch. Junge Geflüchtete erhalten zeitnah nach ihrer Ankunft in Deutschkurs einen Sprachkurs und nehmen gleichzeitig an ersten beruflichen Orientierungsangeboten teil. Zum Beginn der Sommerferien konnte sich eine weitere Gruppe junger Geflüchteter zwischen 16 und 24 Jahren über den erfolgreichen Abschluss ihrer Kurse freuen. Am Donnerstag, dem 13. Juli 2017, wurden die Urkunden an die Jugendlichen überreicht.

Mit dabei waren Herr Dr. Frank Borstelmann (Vorsitzender der Stiftung Zukunft NRW) und Frau Carla Wehmeier (Projektbearbeiterin bei Care Luxemburg Deutschland e.V.). Ohne die finanzielle Förderung durch diese beiden Organisationen könnnte Deutsch plus! nicht stattfinden. Auch vom Hilfswerk deutscher Zahnärzte und der Lieselotte Peipers Stiftung wird Deutsch plus! finanziert.

Carla Wehmeier (Care LD e.V.)und Dr. Frank Borstelmann (Stiftung Zukunft NRW)

Das Projekt „Deutsch plus“ hat drei wesentliche Ziele: Erstens: Sprachliche und berufliche Schlüsselkompetenzen an junge Geflüchtete zu vermitteln. Zweitens: Den jungen TeilnehmerInnen eine Strukturierung ihres Alltags zu ermöglichen, damit sie in dieser schwierigen Anfangszeit in Deutschland eine emotionale Stabilität gewinnen. Über den Spracherwerb hinaus bekommen die jungen Menschen durch einfachere Werkarbeiten und durch Besuche verschiedener Betrieben aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen einen Einblick in das Arbeitsleben in Deutschland. Alles zusammen führt letztendlich dazu, dass die jungen Menschen einen leichteren Einstieg in das Leben in Deutschland haben und ihre Ausbildungsfähigkeit erhöht wird.

  Arbeiten der Schüler*innen: Schreinerarbeiten Spiele und Futterhäuschen), Schlüsselanhänger und Tasche aus Autoreifenschläuchen, Steinmetzarbeit

Das Projekt wird gefördert von: Care LD e.V., Stiftung Zukunft NRW, Hilfswerk deutscher Zahnärzte und der Lieselotte Peipers Stiftung.

 

AsA im Rennen um den Deutschen Engagementpreis 2017

Irmgard Cipa, AsA-Vorstandsmitglied  (vorne Mitte mit Sonnenblume) und Sara Ben-Mansour, Leiterin des Hit-Bewerbungszentrums (rechts daneben mit Urkunde) während der Nominierung

Am 11. Juli 2017 sind wir in Köln offiziell für den Deutschen Engagementpreis 2017 nominiert worden. Dr. Marcus Kreutz, stellvertretender Bundesgeschäftsführer und Justiziar des Arbeiter-Samariter-Bundes, hat die Nominierungsurkunden an uns und die anderen Nominierten überreicht.

Deutscher Engagement Preis, Vor-Ort-Nominierung Köln 2017, Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland

AsA wurde vom unabhängigen, gemeinnützigen Analyse- und Beratungshaus Phineo für seine besonders wirkungsvolle Arbeit, junge Menschen beim Einstieg ins Berufsleben zu unterstützen, ausgezeichnet.

Damit haben wir eine Chance auf bis zu 10.000 Euro Preisgeld

 AsA hat jetzt die Chance, bei der feierlichen Preisverleihung des Deutschen Engagementpreises am 5. Dezember 2017 in Berlin geehrt zu werden. Auf die Gewinnerinnen und Gewinner der fünf Kategorien Chancen schaffen, Leben bewahren, Generationen verbinden, Grenzen überwinden und Demokratie stärken warten Preisgelder in Höhe von je 5.000 Euro. Eine Experten-Jury bestimmt die Preisträgerinnen und Preisträger dieser Kategorien. Über den mit 10.000 Euro dotierten Publikumspreis stimmen vom 12. September bis 20. Oktober alle Bürgerinnen und Bürger per Online-Voting ab.

 Der Deutsche Engagementpreis würdigt als Dachpreis das bürgerschaftliche Engagement der Menschen in Deutschland und all jene, die dieses Engagement durch die Verleihung von Preisen unterstützen. Initiator und Träger des seit 2009 vergebenen Deutschen Engagementpreises ist das Bündnis für Gemeinnützigkeit. Förderer sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Generali Deutschland AG und die Deutsche Fernsehlotterie.

Informationen zu über 600 Preisen für bürgerschaftliches Engagement finden Sie unter www.deutscher-engagementpreis.de/preiselandschaft.

Spendenpäckchen der Deutschen Post DHL

Dr. Sabine Willecke und Daniela Müller (Deutsche Post DHL) beim Überreichen der Spende

Am 08. Juni kam ein Päckchen der besonderen Art bei AsA an. Es wurde überreicht von zwei Mitarbeiterinnen des Bereiches  ‚IT GBS, CSI and CC’ der Deutschen Post DHL. Der Bereich  besteht aus 130  Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen aus den USA, der Region Asia Pacific und Deutschland. Jährlich gibt es ein „Come Together“,  bei dem sich alle zum Arbeitsaustausch treffen und dabei auch regelmäßig Geld für einen guten Zweck sammeln. Dieses wird dann jeweils verschiedenen Organisationen zur Verfügung gestellt.

Diesmal fiel die Wahl auf AsA e.V., um dessen Ziele, Arbeit und Engagement zu unterstützen. Es kam eine Spende von 1.470 €  durch Tombola, Spiele und eine Auktion zusammen, die am 8.6.2017 durch  Daniela Müller und Dr. Sabine Willecke stellvertretend übergeben wurde. Sie wünschen AsA auch im Namen aller Kolleginnen und Kollegen von ‚IT GBS, CSI and CC‘ weiterhin viel Erfolg bei der so wichtigen Ausbildung und Beratung von Flüchtlingen.

Wir sagen Danke !

v.li.n.re.: Christian Knops, Bastian Zillig (beide AsA), Aizu Haj (von AsA betreuter Jugendlicher), Daniela Müller(Deutsche Post DHL), Josef Peplinski (AsA), Dr. Sabine Willecke (Deutsche Post DHL), Sabine Faas (AsA)

Spitzenkandidatin der Grünen zu Besuch bei AsA

Sie wollte sich ansehen, wie AsA für geflüchtete Jugendliche arbeitet: Katrin Göring-Eckardt, Spitzenkandidatin der Grünen bei der diesjährigen Bundestagswahl. Zusammen mit ihr kamen weitere hochrangige Vertreter*innen der Grünen, die sich für die Themen Flüchtlingspolitik und Kinderrechte engagieren: die Bonner Landtagskandidat*innen der Grünen – Doro Schmitz und Tim Achtermeyer – sowie die stellvertretende Vorsitzende der Grünen Bundestagsfraktion, Katja Dörner.

Doro Schmitz, Toupé Djallo, Katrin Göring-Eckardt, Sara Ben-Mansour, Katja Dörner, Bastian Zillig, Wasseem Daulatzi, Tim Achtermeyer

Das große Interesse an AsA zeigt, welch hohen Stellenwert die Partei Bündnis90/Die Grünen auf Bildungschancen für Flüchtlinge legt. Zitat Katrin Göring-Eckardt:

Die Integration der Geflüchteten ist kein Selbstläufer. Aber sie ist Aufgabe und Anspruch eines humanen Deutschlands. Sie ist eine Chance für mehr Wohlstand für alle und ein echter Job-Motor. Mehr Lehrerinnen und Lehrer, mehr Kita-Plätze, mehr günstige Wohnungen – davon werden alle etwas haben, auch die, die wenig verdienen.
(Quelle: www.goering-eckardt.de)

Toupé Djallo aus Guinea schilderte seine derzeitige Situation: Er hat eine Ausbildung angefangen, bekommt aber seinen Aufenthaltsstatus für die Dauer der Ausbildung nicht zuerkannt, obwohl er alle Voraussetzungen erfüllt, um diese sogenannte „Ausbildungsduldung“ zu erhalten.  Wer denn die Kosten für juristische Beratung und Vertretung durch einen Rechtsanwalt finanziere, wollte Göring-Eckart wissen. Er selbst, sagte Toupé, in Raten habe er schon mehrere hundert Euro abbezahlt.

 

Toupé Djallo, Katrin Göring-Eckardt

Wasseem Daulatzi aus Afghanistan darf in Deutschland bleiben. Er kam vor fünf Jahren aus Afghanistan. Sein Problem war die Wohnsituation: zusammen mit seinem damals ebenfalls minderjährigen älteren Bruder musste er drei Monate in einem Obdachlosenasyl nächtigen.  Zusammen mit viel älteren Männern, die viel Alkohol konsumierten und auch andere Drogen nahmen. Dann kam er für weitere drei Monate in ein Asylbewerberheim, bevor er endlich einen Platz in einer Jugendeinrichtung bekam. Schwer war das für ihn, denn morgens musste er wie alle anderen Kinder früh aufstehen und in die Schule gehen. Egal, wie seine Nacht gewesen war.

Wie sehen denn die Bedürfnisse von geflüchteten Kindern und Jugendlichen aus, wollte Göring-Eckardt wissen: Unterscheiden sie sich von denen deutscher Kinder, die hier in einer Jugendeinrichtung untergebracht sind? Er würde sich mehr Zeit von den Betreuern wünschen, sagte Wasseem, der inzwischen sehr gut Deutsch spricht und eine Ausbildung macht.

Wasseem Daulatzi

Der Leiter des Ehrenamtszentrum, Bastian Zillig, und die Leiterin des Hit-Bewerbungszentrums, Sara Ben-Mansour, sprachen die aktuellen Schwierigkeiten an, mit denen die Mitarbeiter*innen von AsA bei ihrer alltäglichen Arbeit zu kämpfen haben:
– Die Ausbildungsduldung wird nicht erteilt, obwohl die Voraussetzungen dafür erfüllt sind
– Die Jugendhilfe endet mit dem 18. Geburtstag oder kurz danach
– Geflüchtete Jugendliche aus Afghanistan werden im Schnellverfahren abgelehnt
– Die Diskussion um sogenannte „hohe“ oder „niedrige“ Bleibeperspektive (was kein juristischer Begriff ist) vermindert die Chancen von Jugendlichen aus bestimmten Ländern auf einen Schulbesuch oder eine Ausbildung in Deutschland
– Die Zahl der Schulplätze in Bonn ist zu gering, die Wartezeit beträgt oft Monate und oft werden die Schulplätze nicht bedarfsgerecht zugewiesen
– Die Finanzierung der AsA-Projekte erhält wenig finanzielle Unterstützung durch die Stadt Bonn, obwohl staatliche Aufgaben – wie die Erteilung von Deutschunterricht, bis ein Schulplatz verfügbar ist – stattfindet
– Die Beratungsangebote für geflüchtete Jugendliche in Bonn sind nicht ausreichend.

Man müsse die Infrastruktur für Beratung und Begleitung der geflücheten Jugendlichen verbessern, so das Fazit von Göring-Eckart, damit man besser als in den Jahren 2015/16  auf steigende Flüchtlingszahlen vorbereitet sei und die Unterbringung und Integration besser gewährleistet sei. Katja Dörner fügte hinzu, dass sie persönlich und ihre Fraktion sich dafür einsetzen werden, dass geflüchtete Jugendliche in Jugendeinrichtungen zusammen mit deutschen Jugendlichen untergebracht werden, um ihnen das Ankommen und die Integration in Deutschland zu erleichtern.

Katja Dörner und Toupé Djallo

 

 

 

 

Phineo-Spendensiegel für AsA

Am 26.04.2017 wurde das „Hit-Bewerbungszentrum“ von Ausbildung statt Abschiebung (AsA) e.V. mit dem Wirkt-Siegel des unabhängigen Analysehauses PHINEO ausgezeichnet – für seine besonders wirkungsvolle Arbeit, junge Menschen beim Einstieg ins Berufsleben zu unterstützen.

Gruppenbild auf der Phineo Wirkt-Siegel-Verleihung in Berlin,  vordere Reihe 2.v.li.:
Sara Ben-Mansour, Projektleiterin Hit-Bewerbungszentrum, dahinter: Irmgard Cipa, Vorstandsmitglied von AsA e.V.

PHINEO ist ein gemeinnütziges Analyse- und Beratungshaus für wirkungsvolles gesellschaftliches Engagement. Ziel ist es, die Zivilgesellschaft zu stärken. Mit Wirkungsanalysen, einem kostenfreien Spendensiegel, Publikationen, Workshops und Beratung unterstützt PHINEO gemeinnützige Organisationen und InvestorInnen wie Stiftungen oder Unternehmen dabei, sich noch erfolgreicher zu engagieren. www.phineo.org

 

Dr. Andreas Schmidt, Analyst, PHINEO gAG, Sara Ben-Mansour, Irmgard Cipa und Caroline Wetzke, Analystin, PHINEO gAG, bei der Überreichung des Spendensiegels

 

Warum darf ich nicht Polizistin werden?

 
Moderatorin Dr. Ebba Hagenberg-Miliu, Somayeh, Ghulam, Waseem und Migena
Geflüchtete Jugendliche diskutierten am 5.4.2017 mit Bonner Landtagskandidat*innenauf einer Veranstaltung von AsA und EMFA
im Haus Migrapolis

Polizistin möchte sie werden, sagt die sechzehnjährige Schülerin Somayeh aus dem Iran. Aber es scheint nicht zu gehen. Sie hat nicht die deutsche Staatsbürgerschaft – das ist der Grund, glaubt sie. Aber vielleicht gibt es doch eine Lösung für sie. Sie solle doch direkt bei der Polizei vorsprechen, rät Michael Aggelidis, Landtagskandidat der Linken. Dort gibt es Ausbildungsberater, an einen solchen sollte sie sich wenden. Keine Antwort bekommt Somayeh auf ihre Frage, wann ihre Familie nach Deutschland kommen darf und ob sie selbst ganz sicher bleiben kann. Diese Frage könne man nicht sicher beantworten, ist die einhellige Meinung des siebenköpfigen Podiums. Dort sitzen Peter Kox (SPD), Tim Achtermeyer (Bündnis 90/Die Grünen), Guido Deus (CDU), Michael Aggelidis (Die Linke), Franziska Müller-Rech (FDP), Michael Wisniewski (Piraten) sowie Carmen Martìnez Valdés (Fachreferentin für Flüchtlingsarbeit des Paritätischen NRW). Die Moderation der Veranstaltung lag in den kompetenten Händen von Dr. Ebba Hagenberg-Miliu. Sie stellte die Podiumsteilnehmer*innen und die Jugendlichen kurz vor, dann ging es gleich weiter mit den Fragen der jungen Flüchtlinge.

Peter Kox (SPD), Guido Deus (CDU), Franziska Müller-Rech(FDP), Tim Achtermeyer (Bündnis90/Die Grünen), Michael Aggelidis (Die Linke), Michale Wisniewski (Piraten), Carmen Martinez-Valdes (Paritätischer NRW)
Kein Studium für Migena?

Migena, die aus Albanien stammt, macht gerade eine Ausbildung, allerdings nicht in ihrem Traumberuf. Das Abitur hat sie auch. Aber sie darf nicht studieren. Nach Abschluss ihrer Ausbildung muss sie zwei Jahre im jetzt gewählten Beruf weiterarbeiten. So sei das geltende Gesetz, erläuterte Carmen Martìnez Valdés (Fachreferentin für Flüchtlingsarbeit des Paritätischen NRW).Das Studienverbot von Migena ist erst einmal begründet durch die „3 plus 2 –Regelung“ – sie besagt, dass Flüchtlinge nach der dreijährigen Ausbildung noch mindestens zwei Jahre in ihrem Beruf weiterarbeiten müssen. Doch auch danach wird es für Migena schwer sein, denn sie müsste ihren Lebensunterhalt während ihres Studiums selbst finanzieren, und das wird sie vermutlich nicht können. Sie wünscht sich von den Landtagskandidat*innen, dass sich diese Gesetze ändern, denn gut ausgebildete und integrierte Flüchtlinge sind doch ein Gewinn für die Gesellschaft. Aber niemand auf dem Podium kann ihr zusichern, dass ihr Traum vom Studium in Erfüllung gehen wird.

 

Waseem, Somayeh, Migena und Ghulam

 

Waseem aus Afghanistan brachte die Diskussion richtig in Fahrt. Was machen die Parteien, um Fluchtursachen in den Herkunftsländern der Geflüchteten zu bekämpfen? Peter Kox von der SPD sagt, dass man ganz klar vor Ort Verantwortung übernehmen muss. So gibt es Städte im Grenzgebiet zu Konfliktregionen, die genau so viele Flüchtlinge wie Einwohner beherbergen. Bislang klappt das, aber man muss diese Gemeinden unterstützen. Guido Deus von der CDU fragt: Wo sind die Grenzen von militärischem Eingreifen und Politik? In Afghanistan seien sowohl die USA, Russland als auch Deutschland als Weltpolizei gescheitert.

Unser alltägliches Handeln hat Auswirkungen auf Flucht und Migration

Tim Achtermeyer von Bündnis 90/Die Grünen fügte hinzu, die Konflikte in Afghanistan und Syrien so kompliziert seien, dass er dazu keine Lösung anbieten könne. Allerdings sei seine Partei überzeugt davon, dass im Denken aller Menschen ankommen muss: Unser alltägliches Handeln hat Auswirkungen auf Flucht und Migration. Der Klimawandel, hauptsächlich ausgelöst durch westliche Industrien, führt zu Dürre und Überschwemmungen anderswo auf dem Planeten. Auch der Import von Lebensmitteln zu Dumpingpreisen führt dazu, dass bäuerliche Gesellschaften verarmen und vor Ort nicht mehr genügend Anbaufläche für die eigene Bevölkerung zur Verfügung steht.

Tim Achtermeyer(Bündnis 90/Die Grünen), Micheal Aggelidis (Die Linke),
Michael Wisniewski (Piraten)

Ghulam aus Afghanistan fragte, wie die Landtagskandidaten zur gängigen Anhörungspraxis im Asylverfahren stehen. So solle man derzeit am besten mit Fotos oder Videos beweisen, warum man geflohen sei. Aber es sei unmöglich, Dokumente aus der Heimat mitzubringen, wenn man auf der Flucht ist und nicht einmal weiß, ob man diese überleben wird. Franziska Müller-Rech von der FDP sagte, bei dieser Vorstellung stellten sich ihre Nackenhaare auf: Entwürdigend findet sie dieses Vorgehen. Sie habe den Eindruck, hier würde auf eine Ablehnung hin geprüft. Auf Waseems Frage, wieso denn viele geflüchtete Jugendliche keinen Schulplatz bzw. keinen Deutschkurs bekämen, sagte Müller-Rech, ihr Standpunkt sei, dass alle Flüchtlinge sofort eine Arbeitserlaubnis bekommen sollten und geflüchtete Kinder und Jugendliche umgehend einen Schulplatz. Das wäre das beste Mittel zur Integration. 

Schulpflicht bis 28 Jahre erweitern

Michael Wisniewski von den Piraten vertrat den Standpunkt, dass eine bessere Regelung geschaffen werden muss, um geflüchteten Jugendlichen eine Schulausbildung zu ermöglichen. Er plädierte dafür, den Anspruch auf einen Schulplatz auf Heranwachsende bis 21 Jahren auszuweiten. Für die zusätzlichen Schulplätze und Sprachkurse müsse das Land NRW dann unbedingt das entsprechende Geld bereitstellen. Tim Achtermeyer von Bündnis 90/Die Grünen forderte sogar, die Schulpflicht für Flüchtlinge bis zum Alter von 28 Jahren zu erweitern.

Die Veranstaltung endete mit Fragen aus dem zahlreich erschienenen Publikum.

 

 

 

 

 

 

 

Benefizkonzert von Black und Pit

Ein schönes Scherflein für AsA

von Clemens Wortmann

Bis auf den letzten Klappstuhl war die Bonner Altstadtbuchhandlung in der Breite Straße bei einer Benefizveranstaltung für den Verein Ausbildung statt Abschiebung am 30. März gefüllt. Lothar „Black“ Lechleiter und Pit Klein sangen und rezitierten Texte des unvergessenen Wortakrobaten und Malers Fritz Graßhoff.

„Black und Pit“

Unter Verweis auf den wohltätigen Zweck begann Gitarrist und Sänger Lechleiter, der in den 70er Jahren als Teil des Duos Schobert & Black die größten Konzertsäle in Deutschland füllte, den kurzweiligen Abend mit dem Bänkellied „Das Scherflein“. Doch während Graßhoff dort einen Zyniker verspottet, der nur einen Hosenknopf in die Spendenbüchse wirft, kamen bei dem Buchladenkonzert etliche Euroscheine zusammen, die nun der Arbeit von AsA zugutekommen.

Wie notwendig und sinnvoll die Verwendung dieses Geldes ist, erläuterte Vorstandsmitglied Irmgard Cipa in einer kurzen Einführung. Sie zitierte einen der jungen Flüchtlinge, die AsA betreut und der deutlich macht, wie wichtig die Beratung, die Hilfe beim Finden eines Schulplatzes, die Unterstützung beim Lernen an der Abendrealschule  sowie die Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz für ihn sind. „Dabei können wir immer nur von Jahr zu Jahr planen, weil unsere Vereinsarbeit überwiegend von Spenden und Projektfinanzierern abhängig ist“, sagte Irmgard Cipa.

Zum karitativen Zweck passten die künstlerischen Inhalte des Abends: Auch Graßhoff (geboren 1913), dessen süffisante Texte die Barden der aufmüpfigen Generationen in den späten 60ern und 70ern immer wieder aufgriffen, vertonten oder verlasen, interessierte sich vor allem für die Menschen am Rande der Gesellschaft. Diese liefern den Stoff für das Lästern über die Obrigkeit oder lustige Adaptionen antiker Spottlieder. Abgerundet wurde das Programm durch Originaltoneinspielungen von Fritz Graßhoff, die Blacks neuer Vortragspartner, der langjährige Rundfunkjournalist Pit Klein, mitbrachte. Er hatte den ausgewanderten Künstler in dessen letzten Lebensjahren im kanadischen Québec mehrfach besucht, bevor dieser 1997 verstarb.

Links zu Graßhoff-Texten:

http://lyrics.wikia.com/wiki/Pit_Klein

http://lyrics.wikia.com/wiki/Schobert_%26_Black:Das_Scherflein

 

Delegation aus Estland, Lettland, Litauen, Kroatien und Bosnien bei AsA

Fachleute aus den baltischen Staaten sowie Kroatien und Bosnien und Herzegowina bei AsA

Am 02. März 2017 besuchte eine buntgemischte Delegation aus den Baltischen Staaten
sowie Kroatien und Bosnien und Herzegowina unsere Geschäftsstelle. Der Großteil der rund 30 Teilnehmer*innen arbeitet in Behörden, die sich mit Flüchtlings- und Integrationspolitik befassen. Es waren aber auch Mitarbeiter*innen von NGOs -also Nichtregierungsorganisationen- dabei. Sie wollten erfahren, wie wir von AsA junge Flüchtlinge unterstützen und wie unser Verein aufgebaut ist.

Ehrenamtlicher Sektor erst im Entstehen

Der Großteil der Arbeit bei AsA e.V. wird von Ehrenamtlichen geleistet. Das ist in den Baltischen Staaten kaum denkbar. Vor allem die große Gruppe der Ruheständler, die in Deutschland einen großen Teil ehrenamtlicher Arbeit schultert, ist in diesen Ländern nicht aktivierbar. Die Renten sind so niedrig, dass die meisten Erwerbstätigen möglichst lange arbeiten. Wenn ihr Erwerbsleben dann endet, sind sie nicht mehr in der Lage oder willens, ehrenamtliche Tätigkeiten zu übernehmen. Quer durch die Bevölkerung überwiegt die Meinung: Jegliche Form von Arbeit muss bezahlt werden. Das ändert sich nur langsam. Am ehesten sind junge Leute zu ehrenamtlichem Engagement bereit.

Ein weiterer Unterschied in der Arbeit mit Flüchtlingen ist, dass sie kaum zu motivieren sind, die lokalen Sprachen zu lernen. Fast alle haben als Ziel, sich nach Schweden, Norwegen oder Deutschland durchzuschlagen. So haben sie weder ein Interesse, Estnisch, Lettisch oder Litauisch zu lernen noch, sich in die dortigen Gesellschaften zu integrieren.

Organisiert wurde das Treffen mit der Delegation vom Verein Vesbe e.V.  (Verein für Europäische Sozialarbeit, Bildung und Erziehung e.V. )  aus Hennef.

Link zum Verein Vesbe e.V.

 

 

Erst reparieren, dann fahren

Fahrradwerkstatt des Öko-Referates der UNI Bonn spendete Fahrräder

 

Die Aktion fand auf Einladung des Öko-Referates der Uni Bonn statt. Das Angebot an unsere Jugendlichen: Sie durften gespendete Fahrräder übernehmen und sie direkt in der AStA-Fahrradwerkstatt reparieren. Am 16.12.2016  war es dann soweit: Wir waren mit einer Gruppe junger Geflüchteter, die bei AsA im Rahmen des Projektes Deutsch plus! Deutschkurse besuchen,  in der Fahrradwerkstatt des AStA. Die Teilnehmer haben dort mit großem Engagement die gespendeten Fahrräder fahrtüchtig und verkehrssicher repariert. Dabei wurden sie sehr nett durch zwei bei der Fahrradwerkstatt angestellte Studenten unterstützt.

Eine tolle Kooperation, für die wir uns herzlich bedanken!