„Schlechte“ Bleibeperspektive verhindert Integration

Veranstaltung der Flüchtlingshilfe Wachtberg mit Filmvorführung und Diskussion

Am 30.01.2019 hatte die Flüchtlingshilfe der Gemeinde Wachtberg zu einem Filmabend mit anschließender Podiumsdiskussion und Fragerunde eingeladen. Sara Ben Mansour, Leiterin des Beratungszentrums, war als Fachfrau für AsA vor Ort.

Trotz des verschneiten Wetters war die Veranstaltung mit etwa 40 Besucher*innen gut besucht. Unter ihnen waren Vertreter*innen der Verwaltung Wachtberg, der Leiter des ökumenischen Arbeitskreises Wachtberg sowie viele interessierte und vor allem Rat suchende Ehrenamtliche aus Wachtberg und der näheren Umgebung.

Es wurde der Dokumentarfilm „“Bleibeperspektive – eine machtvolle Praxis“. “ gezeigt. Die Bleibeperspektive ist das Kernthema der Flüchtlingshilfe Wachtberg. Wird die Bleibeperspektive als schlecht beurteilt, bedeutet dies einen unsicheren Aufenthaltsstatus für die Betroffenen. Das hat fatale Auswirkungen vor allem auf die berufliche Situation von geflüchteten Menschen.

Sie werden von vielen beruflichen Angeboten und Hilfen der öffentlichen Hand über Jahre systematisch ausgeschlossen. Gleichzeitig suchen Wirtschaft und Berufskammern händeringend Fachkräfte. Integration, gesellschaftliche Teilhabe und ein rechtmäßiger Aufenthalt werden durch eine als schlecht beurteilte Bleibeperspektive jedoch verhindert, obwohl viele dieser Menschen dauerhaft in Deutschland bleiben werden.

Afghanistan ist nach Einschätzung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ein Land mit schlechter Bleibeperspektive und ein gutes Beispiel für die Absurdität der Problematik. Afghanen gehören zu der zweitgrößten Gruppe der Geflüchteten. Aufgrund der geringen Bleibeperspektive werden sie während des Asylverfahrens von vielen wichtigen beruflichen, sprachlichen und anderen Maßnahmen ausgeschlossen. Die Asylverfahren dauern bei Afghanen im Schnitt bis zu ein 1,5 Jahren. Ein Klageverfahren kann sich ebenfalls über Jahre hinziehen. Hinzu kommt, dass mehr als die Hälfte der abgelehnten Asylverfahren durch das BAMF von den Verwaltungsgerichten letzten Endes positiv korrigiert wird. So kommt es, dass viele Menschen aus Afghanistan jahrelang von Integrationsmaßnahmen ausgeschlossen werden, obwohl sie dauerhaft in Deutschland bleiben.

Dieser Umstand ist nicht nur für die geflüchteten Menschen ein Problem, sondern auch für viele ehrenamtliche Helfer. Sie fühlen sich mit den Problemen der Geflüchteten im Alltag alleine gelassen. Dies führt zu Frustration und macht manche Ehrenamtliche wütend. Bei weitem nicht alle Fragen und Anliegen der Anwesenden konnten angehört werden. Daher wurde der Wunsch geäußert, dass es eine Fortsetzung des Abends geben solle.

AsA e.V. findet es sehr begrüßenswert, dass das Thema „Berufliche Integration von (jungen) Menschen mit unsicherem Aufenthaltsstatus“ – hoffentlich langfristig – in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Wir hoffen sehr und setzen uns weiterhin dafür ein, dass berufliche Integrationsmaßnahmen, Sprachkurse und andere wichtige Bildungsmaßnahmen für alle geöffnet werden und die Unterscheidung nach Bleibeperspektive aufgehoben wird.

Sara Ben Mansour, Leiterin des Beratungszentrums

Text: Sara Ben Mansour